#19 Ten Christmas Seasons...
Early Empty Nest Syndrom zur Weihnachtszeit
Vor einigen Jahren gab es mal dieses Meme, das durch den Eltern-Insta-Kosmos geisterte: We get 18 delicious summers with our kids…”. Ich fand das damals schön und erinnere mich daran, dass ich den folgenden Sommer gefühlt extra genossen habe, viele Fotos und Videos gemacht und mich intensiver als sonst an meinen Kindern erfreut habe. Eventuell gab es da auch mal das ein oder andere Eis extra. Ich dachte jedoch: Man bekommt doch sicher mehr als 18 Sommer. Wenn die größer sind, fahren sie doch vielleicht auch noch mal mit mir in den Urlaub, oder was weiß ich.
Jetzt muss ich sagen: Man bekommt vielleicht sogar weniger als 18 Sommer. Ich habe von meinen Kindern irgendwie schon viel weniger im Sommer, als früher. Die machen so viel alleine. Aber ja, die Urlaube. Und das könnte wirklich noch mal wiederkommen. Ich bin in meinen Zwanzigern auch wieder gerne mit meiner Mutter gereist.
Was man aber auf jeden Fall nur so in etwa zehn Mal bekommt: Intensive Christmas Seasons mit den Kindern.
Bei mir ist das mit Weihnachten so: Ich habe es schon immer geliebt. Als Kind erinnere ich mich an leuchtende Augen, an viel Essen, an den schönen Baum, daran, dass ich immer bisschen enttäuscht von den Geschenken war, aber alles drumherum trotzdem geliebt habe. Auch an Familienstreit erinnere ich mich und daran, dass ich das einzige Kind in der Familie war und sich niemand so RICHTIG ins Zeug gelegt hat, damit es magisch wird für mich. Es war also selbst im Kindergarten- und Grundschul-Alter schon so, dass ich alles gerne perfekter gehabt hätte - und es das nicht war. Als meine Großmutter, die den Laden ein bisschen zusammengehalten hatte, starb, feierten meine Mutter und ich meist alleine. Sie ist jetzt nicht so der Weihnachtsfan, aber ich erkämpfte mir, dass wir schön gemeinsam aßen, uns besonders anzogen und so weiter. Ich weiß, dass sie das am Ende auch immer sehr genossen hat, ich ebenso - und wenn alles vorbei war, ging ich immer noch aus an Heiligabend, auch das habe ich in sehr guter Erinnerung, es waren immer die besten Nächte. Zudem hat sie mir später, als ich eigentlich schon zu alt war, immer aufwendige Kalender gebastelt, das rechne ich ihr hoch an.
Ich muss wohl kaum betonen, dass ich, als ich selbst Kinder hatte, die absolute Weihnachtszauber-Queen wurde. Ich wollte meinen Kindern die magischste Adventszeit aller Zeiten bieten und legte mich ins Zeug. Es wurde gebacken, es gab einen eventuell manchmal etwas übertriebenen Adventskalender, wir gingen zum Weihnachtsmarkt, an der Tür hin ein Kranz, wir sangen, mampften Lebkuchen, schauten Weihnachtsfilme und kauften einen übertrieben großen Baum. Am Nikolausmorgen waren die Stiefelchen prall gefüllt, wir haben dekoriert und geweihnachtet was das Zeug hält. Mit den Jahren habe ich Unmengen von teurem, schönen Baumschmuck angesammelt, es gab eine Wichteltür, viele Weihnachtsbücher und -geschichten und einen traditionellen Weihnachtsbummel zum Ku’Damm und ins KaDeWe. An Heiligabend führte ich Würstchen und Kartoffelsalat und einen Kirchenbesuch ein, die Kinder mussten baden und sich ein bisschen striegeln, irgendwann klingelte es - und dann war die Freude groß. Natürlich gab es auch Streit und Dramen an Weihnachten, wie könnte es anders sein, aber ich habe mich dennoch immer auf alles gefreut und es genossen. Und meine Kinder auch, glaube ich. Es gab Jahre, da haben sie ein Dutzend mal “Arthur Weihnachtsmann” (bester Film) geschaut, der Große konnte mitsprechen, noch heute sagen sie: “Oh Weihnachten”, wenn die erste Mandarine geschält wird. Die Kleine glaubte noch richtig lange an eben jenen Weihnachtsmann (bzw. an das Christkind, wir haben uns hier nie so richtig festgelegt) und der Große hat bis zuletzt noch für sie mitgespielt. Seit vorletztem Jahr wissen beide, dass ICH für den Zauber verantwortlich bin, aber auch letztes Jahr war es noch richtig schön mit den beiden.
Nun wird mein Sohn nächstes Frühjahr offiziell zum Teenager, im Herzen ist er er bereits. Er trifft sich lieber mit Freunden, als mit seinen Eltern, er hat sein eigenes Leben, entdeckt die Jugend, fühlt sich am wohlsten in der Gruppe. Geschenke nimmt er gerne, aber der Adventskalender wurde zum Beispiel in diesem Jahr nicht mehr bestaunt, sondern nur mit einem lächelnden OK DANKE quittiert. (Ich befülle trotzdem weiter für ihn, ist ja klar). Nicht mal zu unserem traditionellen Ku’Damm-Ausflug konnten wir ihn überreden. “Alle sind da, ich kann jetzt nicht zu euch”.
Und da ich seit der Trennung ohnehin nur noch so wenige Tage mit den beiden habe während der Adventszeit und nur zwei Adventssonntage (da gibt es natürlich ein üppiges Frühstück mit Lachs und allem), habe ich in den letzten Tagen sehr stark gemerkt, dass mich das wirklich mitnimmt. Ich glaube ich hatte eine Vorform des “Empty-Nest-Syndroms”, in mir war eine Leere und Enttäuschung, es war ganz schön schlimm. Das kleine Kind wurde extra viel geherzt, jeder Moment mit dem Großen zelebriert.
Wurzeln und Flügel, sagt man ja immer und mein Großer ist nun also definitiv schon in der Flügel-Phase. Die müssen wir ihm geben und ihn machen und fliegen lassen, aber es fällt uns beiden Eltern nicht leicht. Wir sorgen uns, wollen ihn festhalten und merken, das geht nicht und soll auch gar nicht.
Natürlich ist es so, dass wir nun ein bisschen mit leicht übertriebenen Geschenken kompensieren und ich merke auch, dass ich mir an vielen Stellen keine Sorgen machen muss: Er sucht noch oft genug den Weg zu uns.
Aber eins bleibt: Ihr habt ziemlich sicher mehr als 18 Sommer mit euren Kindern. Aber nur so in etwa 10 Weihnachtszeiten. Genießt sie, solange sie da sind. Baut das Lebkuchenhaus, backt die Kekse, schmückt den Baum, lest die Weihnachtsgeschichten vor, knuddelt eure Kinder beim “Kevin allein zuhaus” schauen. Es ist schneller vorbei, als euch lieb ist.
Happy Endspurt!
Lese-, Rezept-, Shopping- und Serientipps
Die 13 besten Geschenke of all times - according to NYT readers. Habs geliebt. (Gift Link!)
Die einzige Weihnachtsserie, die ich mir antue, nachdem man ja leider alle alten Weihnachtsfilme nicht mehr erträgt: Weihnachten zuhause. Auch die neue Staffel geht voll klar, finde ich. Kult! (Auf Netflix)
Diese Salate finde ich alle eine Wucht, ob zu Weihnachten oder wann anders.
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Schickes Rüschenoberteil, weite Samthose, roter Cardigan (die Materialzusammensetzung ist 1A!) und guter Pailettenrock. Einmal alles bitte, kann man auch super kombinieren.
Und zuletzt: Take that, Santa. Das beste Kamin-Foto aller Zeiten.
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Hatte beim Lesen Tränen in den Augen. So schön geschrieben, danke dafür!